Schulterbefunde werden in unserer Arbeitsgemeinschaft mit der Funktionsdiagnostik nach Dr.James Cyriax,dem englischen Pionier in der konservativen orthopädischen Medizin, beurteilt. Die damit erzielte Diagnose ist aber nur eine Verdachtsdiagnose und muss nach unserer Erfahrung  erst mit einer Testinfiltration gesichert werden, da auch eine exakt durchgeführte  Schulterdiagnostik nicht vor Fehlurteilen schützt!

Die Prolotherapie ist  an der Schulter in erster Linie sinnvoll einsetzbar bei Schulterinstabilitäten mit daraus resultierenden Bänder-, Kapsel- und Sehnenschäden.

                             Das Dilemma der Schulterdiagnostik

  Die allgemeinen Richtlinien für die Schulterdiagnostik ,die um 1990 von dem Dutch Coucil of General Practitioners entwickelt wurden, basiert ebenfalls auf den Konzepten von Cyriax. Trotzdem bleibt die Einordnung oft unbefriedigend, auch wenn die Technik fehlerfrei beherrscht wird. So fanden 3 erfahrene Rheumatologen (Bamji et al. 1996) in weniger als 50 % einen diagnostischen Konsens.

Winter et al .(1999) , Amsterdam, fanden heraus, dass 2 erfahrene Untersucher bei 201 Schulterpatienten nur geringe Übereinstimmung erzielen konnten. Die diagnostische Präzision muss also auch bei erfahrenen Untersuchern als schlecht betrachtet werden. Das Problem ist, dass die Schulterteste oft zu diagnostischen Irrtümern führen können. Besonders multiple positive Befunde verwirren auch erfahrene Praktiker. (Dorman,Ravin USA 1991)

Unsere Konsequenz: Greift man gezielt auf eine Probeinfiltration mit einem lokalen Betäubungsmittel zurück ,wird in der praktischen Arbeit das Problem der Fehlinterpretation von Schulterbefunden minimiert, so dass dann auf eine erweiterte Diagnostik mit der teuren und aufwendigen Kernspintomographie verzichtet werden kann,da auch diese Befunde noch  keine gesicherte Diagnose darstellen.Eine gezielte Testinfiltration in einen Schultersehnenansatz zeigt einen extrem schnellen Wirkungseintritt wenn man die  verteilende Pepperingstechnik nach Cyriax anwendet., da die Betäubung bereits unmittelbar nach der Nadelentfernung ,dem Patienten eine freie Schulterbewegung erlaubt.

Vor jede Therapie haben die Götter die Diagnose gestellt, lautet eine alte Medizinerweisheit.

Gefordert durch die oben geschilderten Besonderheiten bei Schulterbeschwerden hat die Arbeitsgemeinschaft eigene Untersuchungsstandards zusammengestellt,die sich in der Praxis bewährt haben und hier zwecks Patientenaufklärung eingehend erläutert werden sollen.

Die Schulterdiagnostik bietet viele Fallstricke, wie bewiesen werden soll.Der Goldstandard ist ,wie schon erwähnt, die Schulterfunktionsdiagnostik nach Cyriax mit Ihren Widerstandstesten zur Beurteilung von Muskeln und Sehnenschäden sowie der Prüfung von typischen Schmerzausstrahlungsmustern zur Beurteilung  von Schulterkapsel,Bändern und Schleimbeuteln ,die mit Bewegungsführungen vom Untersucher gezielt differenziert werden können.In den letzten Jahren sind eine Fülle von Zusatztesten von jüngeren Autoren veröffentlicht worden.Nach unserer Erfahrung ist die Treffsicherheit damit nicht größer geworden,mit einer reinen Verdachtsdiagnose sind aber keine Therapieerfolge zu erzielen.Um falsch positive Ergebnisse auszuschliessen, wenden wir bis auf wenige Ausnahmen unsere Testinfiltration an.Wie wichtig das sein kann soll hier kurz vor Augen geführt werden.So kann es vorkommen ,dass zum Beispiel ein Patient über chronische beidseitige Schulterschmerzen klagt, die sich als äußerst therapieresistent erwiesen haben.Wenn er dann auch noch angibt,  ,nicht auf den Schultern liegen zu können und den Bewegungsschmerz eindeutig auf das Schulterdach und das dort liegende Schultereckgelenk projiziert und eine Austrahlung in die Oberarme verneint,macht er es dem Untersucher recht leicht. Dieser kann bei dieser typischen Symptomatik nur zu dem Schluss kommen,daß das Schultereckgelenk die Ursache für die geklagten Beschwerden ist.Zwingend ist eine derartige Verdachtsdiagnose dennoch nicht.In einigen solcher Fälle erweist sich  die Probeinjektion in dieses kleine Gelenk als wirkungslos.Wenn dann auch noch die zweite Testspritze an den darunterliegenden Schleimbeutel zwecks Ausschlussdiagnostik ebenfalls negativ ausfällt  und die Muskelfunktionsteste alle ohne Befund sind, ist auch ein erfahrener Untersucher erstmal ratlos.Wird dann in solch schwierigen Fällen die Kernspindiagnostik zu Rate gezogen, kann er unter Umständen mit einem Befund an der Supraspinatussehne(Sehne des oberen Schulterblattmuskels) konfrontiert werden.Damit ist das Rätsel aber keineswegs gelöst,denn inzwischen ist unter Fachleuten allgemein bekannt daß eine nicht geringe Zahl der über Fünfzigjährigen in diesem Sehnenbereich Verschleißerscheinungen aufweist, ohne dabei über Beschwerden zu klagen.Also muss auch dieser unerwartete Befund mit einer gezielten Testspritze gesichert werden, bevor man überhaupt eine Entscheidung für therapeutische Empfehlungen treffen kann.Fällt dieser nämlich auch negativ aus, hat auch der Kernspinbefund nur den Rang eines falsch positiven Schulterbefundes,der für das Beschwerdebild nicht verantwortlich gemacht werden darf.Für die Wahl der optimalen Therapie ist dann letztendlich auch das mögliche  Risikopotential der Methode zu berücksichtigen.   

Die Proliferationstherapie mit 13-15%er Glucose bei Schulterbefunden hat sich als besonders risikoarmes und sicheres Verfahren herausgestellt !

Es bleibt hinzuzufügen,daß so gut wie alle führenden Spezialisten in der Prolotherapie in den USA die Techniken der Orthopädischen Medizin nach Cyriax beherrschen und auch dessen ganz spezielle Spritzenansatztechniken  an der Schulter anwendbar.

www.journalofprolotherapy.com/prolotherapy-and-the-dilemma-of- the-right-diagnosis/   

                               

                                                       Denver,Colorado